26.10.2020, 16:59 Uhr

BUND gibt wichtige Informationen zu Baumfällungen

Bäume sind Schutzräume für Tiere. Foto: BUND

Bäume sind Schutzräume für Tiere. Foto: BUND

Grafschaft Am 1. Oktober hat wieder die Baumfäll- und Baumpflegesaison begonnen. Damit dabei keine Fledermäuse zu Schaden kommen, bittet die Kreisgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) dringend um Beachtung folgender wichtiger Hinweise zum Fledermausschutz bei Baumfällungen und Baumpflegemaßnahmen:

„Baumfällungen und Baumpflege stellen für baumbewohnende Fledermausarten die größte Gefahr dar. Fledermäuse senken ihre Körpertemperatur beim Schlafen ab, deshalb können sie bei Gefahr nicht einfach wegfliegen wie ein Vogel. Bis sie ihren Körper wieder auf Flugtemperatur angeheizt haben, dauert es etwa 20 Minuten. Wenn ein Baum gefällt wird und umstürzt, haben die Tiere keine Chance, dem tödlichen Aufprall zu entkommen. Tiere, die den Aufprall überleben, sind oft schwer verletzt: Knochenbrüche, Flügelrisse, Kieferbrüche, Splitter im ganzen Körper... Wenn keine schnelle medizinische Hilfe vor Ort ist, verenden die Tiere oder sind Fressfeinden hilflos ausgeliefert. Schnelle medizinische Hilfe setzt voraus, dass die Firmen, die die Fällungen vornehmen, den entsprechenden Regionalbeauftragten für Fledermäuse sofort informieren, dann auch sofort eine Gruppe Helfer bereitsteht und im weiteren Verlauf Tierärzte die Versorgung der Tiere übernehmen. Anschließend müssen die Tiere bis zur Genesung versorgt werden, sie müssen Flugtraining erhalten, um wieder fit zu werden, und dann müssen sie am Fundort wieder ausgewildert werden. Wenn nicht gerade Winter ist, dann muss den Tieren ein adäquates betreutes Winterquartier zur Verfügung gestellt werden.“

Die dringende Bitte des BUND: Steht man vor der Entscheidung, einen Baum zu fällen, sollte man beachten, dass man einen alten Baum nicht einfach durch einen neuen ersetzen kann. Bis ein junger Baum einen adäquaten Quartierersatz für zahlreiche Tierarten, unter anderem die Fledermäuse, darstellt, vergehen mehrere Jahrzehnte. Bevor man dann doch einen Baum fällt oder pflegt (oder fällen / pflegen lässt), sollte dieser fachkundig auf Höhlen und diese mit einem Endoskop auf Fledermäuse untersucht werden. Fledermäuse können ebenfalls in Rindenspalten schlafen, daher sollten auch Rindenspalten kontrolliert werden. Gleiches gilt auch für größere Baumpflegemaßnahmen, weil sich in dickeren Ästen Hohlräume befinden können. Wichtig zu wissen ist auch, dass selbst große Arten wie der Große Abendsegler bereits in sehr dünnen Bäumen ein Quartier finden können.

„Die Erhaltung und die Schaffung von Fledermausquartieren ist eine der wichtigsten Aufgaben des Artenschutzes. Dabei ist zu beachten, dass künstliche Quartiere keinen Ersatz für natürliche Quartiere darstellen, sondern lediglich als Ergänzung dienen. Der Erhalt natürlicher Quartiere ist daher weiterhin von großer Bedeutung“; heißt es von Seiten des BUND.

Weitere Infos erfolgen auf www.bund-grafschaft-bentheim.de.

Fledermäuse brauchen Schutz. Foto: Dr. R. Keil

Fledermäuse brauchen Schutz. Foto: Dr. R. Keil

Ems-Vechte