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15.10.2020, 10:57 Uhr

BUND führt Pflegearbeiten in Schüttorfer „Weiße Riete“ aus

Die Naturschützer sorgen mit ihren regelmäßigen Pflegearbeiten dafür, dass bodennahe Pflanzen wie Heide oder Sonnentau nicht überwuchert werden. Foto: BUND

Die Naturschützer sorgen mit ihren regelmäßigen Pflegearbeiten dafür, dass bodennahe Pflanzen wie Heide oder Sonnentau nicht überwuchert werden. Foto: BUND

Schüttorf Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vor Kurzem Landschaftspflegearbeiten an der „Weißen Riete“ in Schüttorf durchgeführt. Auf dem etwa vier Hektar großen Areal der Stadt Schüttorf, das als Kompensationsfläche für die Inanspruchnahme von Bauflächen ausgewiesen wurde und zwei Gewässer beinhaltet, haben sich im Zuge der natürlichen Entwicklung durch Samenanflug von benachbarten Waldgebieten Kiefern-, Birken- und Weidengebüsch auf den mittlerweile zaghaft mit Heide bestandenen Flächen ausgebreitet.

Walter Oppel von der Grafschafter Kreisgruppe des BUND kennt die Problematik: „Die Aufgabe des Naturschutzes beschränkte sich früher weitgehend darauf, Flächen mit Vorkommen seltener und/oder gefährdeter Pflanzen- und Tierarten ,konservierend‘ unter Schutz zu stellen und dann sich selbst zu überlassen. Wenn man allerdings später die Flächen in Hinblick auf das Vorkommen dieser Arten und die dafür ausgesprochene Schutzwürdigkeit überprüfte, stellte man häufig fest, dass sie – auch ohne direkte Beeinträchtigung durch den Menschen – ihre ursprüngliche Schutzwürdigkeit mehr oder weniger eingebüßt hatten. So verbuschten unter Schutz gestellte Trockenrasen oder Wacholdertriften; Heideflächen überalterten oder vergrasten; Kleingewässer verlandeten oder verschwanden nach einiger Zeit und mit ihnen eine häufig artenreiche Flora und Fauna. Diese zeitliche Aufeinanderfolge der an einem Standort einander ablösenden Pflanzen- und Tiergesellschaften, die Sukzession, ist Kennzeichen der natürlichen Entwicklung von Landschaftsbestandteilen. So verschwinden erhaltens- und schützenswerte Pflanzen- und damit auch Tierarten oft nach wenigen Jahren wieder, da durch die fortschreitende Sukzession höherwüchsige und konkurrenzkräftigere Arten die Oberhand gewinnen“, führt der Naturschützer aus.

Regelmäßige Pflege ist wichtig

Soll die Einzigartigkeit eines solchen Gebietes und damit seine Artenvielfalt erhalten werden, ist Oppel zufolge eine Pflege der entstandenen Lebensräume notwendig, die gegebenenfalls in regelmäßigen Abständen wiederholt werden muss. „Dass sich seltene Pflanzenarten an der ,Weißen Riete‘ überhaupt wieder ausbreiten konnten, ist auch einer größeren Maßnahme im Rahmen des Projekts ,Wege zur Vielfalt’ des Landkreises zu verdanken“, weiß Oppel. Im Zuge des Projekts wurde im Jahr 2016 von der gesamten Fläche zwischen den Gewässern etwa 30 Zentimeter Oberboden abgetragen. Zum Vorschein kam nährstoffarmer, sandiger Boden, der gerade vielen konkurrenzschwachen und seltenen Pflanzen gute Keim- und Wuchsbedingungen bot. Um der Natur noch weiter „auf die Sprünge“ zu helfen, wurde Heidemahdgut aus dem Naturschutzgebiet Engdener Wüste übertragen. „So konnte sich in den Jahren ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen entwickeln“, erklärt Oppel.

Die aktuellen Biotopflegearbeiten vor einigen Tagen galten in besonderem Maße zwei in der Grafschaft Bentheim gefährdeten und daher geschützten Pflanzenarten, dem Mittleren Sonnentau und dem Sumpfbärlapp sowie der sich allmählich entwickelnden Besenheide. Die Arbeiten hatten zum Ziel, die aufkommenden Gehölze zu entfernen, wobei der Bauhof der Stadt Schüttorf die Aktiven des BUND unterstützte.

Schützenswerte Pflanzen in der „Weißen Riete“

Der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) gehört zu den fleischfressenden Pflanzen und findet sich in verschiedenen Arten in fast allen Klimazonen der Erde. Die europäischen Arten finden sich in Feuchtgebieten sowie Mooren und bevorzugen somit sauren Boden zum Überleben. Seine Blüten sind weiß. Der deutsche Name „Sonnentau“ bezieht sich auf die Drüsen an der Blattoberfläche, deren Sekret in der Sonne wie Tautropfen glitzert. Insekten werden durch die glänzenden Tröpfchen angelockt, lassen sich auf dem Blatt nieder und bleiben am zähen Schleim kleben. Die Drüsententakel schließen das Insekt ein und scheiden Verdauungsenzyme aus, mit denen das körpereigene Eiweiß des Insekts aufgelöst wird. Die Pflanze nimmt die verflüssigten Bestandteile des gefangenen Tierchens als willkommene Nährstoffquelle durch die Blattoberfläche auf, um auf diese Weise mit dem Stickstoffdefizit seines natürlichen Lebensraumes fertig zu werden.

Der Sumpfbärlapp (Lycopodiella inundata) besitzt einen bis zu einen Meter langen, auf dem Boden kriechenden Stängel, der mit gelbgrünen Blättchen schuppenartig bedeckt ist. Er bildet zahlreiche, etwa fünf Zentimeter hohe Zweige, aus denen sich teilweise zwei bis drei walzenförmige, Sporen tragende Ähren bilden. Durch Veränderungen der Lebensräume ist diese Pflanze in ihrem Bestand äußerst bedroht.

Die Besenheide (Calluna vulgaris), ist die einzige Vertreterin aus der Gattung Calluna innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Früher verwendete man das getrocknete Heidekraut zum Kehren und Fegen – daher wohl der Name „Besenheide“. Noch dazu ist das sonnenliebende Heidekraut eine wichtige Bienenweide und wird zur Gewinnung von Heidehonig verwendet.

Eine Kleinlibelle hat sich auf einem Sonnentau niedergelassen. Foto: BUND

Eine Kleinlibelle hat sich auf einem Sonnentau niedergelassen. Foto: BUND

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