25.01.2021, 13:19 Uhr

Bürgerforum fordert: „Nordhorn digital machen, aber richtig“

Eine Nutzung privater Geräte in der Schule hält das Bürgerforum Nordhorn für sinnvoll und widerspricht damit dem Standpunkt der Nordhorner SPD. Foto: dpa

Eine Nutzung privater Geräte in der Schule hält das Bürgerforum Nordhorn für sinnvoll und widerspricht damit dem Standpunkt der Nordhorner SPD. Foto: dpa

Nordhorn Vor Kurzem hat die Nordhorner SPD in den GN gefordert, Nordhorn müsse auch digital attraktiv gemacht werden. Das Bürgerforum Nordhorn nimmt in einer Mitteilung Stellung zu dem Bericht und zeigt sich überzeugt, dass „Nordhorn keine IT-Experten als City-Influencer braucht, die nebenbei noch eine Nordhorner Online-Plattform betreiben sollen“.

„Digitaler Marktplatz keine Lösung“

Beisitzerin Sabine Nuffer ist der Meinung, dass ein „Digitaler Marktplatz Innenstadt“ mit regionalen Produkten und Dienstleistungen nicht die Lösung sein könne. „Wer an den Erfolg dieser Vision glaubt, dass also Online-Bestellungen und die Abholung der regionalen Waren in der Innenstadt – die es ja zu stärken gilt – derselben nützt, der glaubt vielleicht auch, dass unsere Stadt einen City-Hafen braucht“, führt Nuffer aus und fügt hinzu: „Wenn ein SPD-Ratsherr dann noch davon spricht, dass man die Digitalisierung in unseren Nordhorner Schulen um ,zwei‘ Jahre verschlafen hat und im gleichen Atemzug private Endgeräte in Schulen ablehnt, der ist aus der Zeit gefallen.“ Das Bürgerforum bringt bezüglich der SPD-Forderung eine zeitliche Komponente ins Spiel: „Warum soll all dies 2021, also im Wahljahr, passieren? Warum hat die größte Fraktion zusammen mit ihrem Bürgermeister nicht alle im Artikel beschriebenen Vorschläge in die Realität umgesetzt? Reichte die gesamte Wahlperiode dafür nicht aus?“

Eine Nordhorner Online-Shopping-Plattform ist nach Ansicht des Bürgerforums „nicht zielführend und weckt falsche Hoffnungen“. Beisitzer Kai Schmidt wird deutlich: „So funktioniert das heute nicht mehr.“ Influencer-Marketing braucht Schmidt zufolge keine eigene Plattform und „schon gar keine kommunal organisierte Reichweite“. Zielführender, günstiger und nachhaltiger sei es, kommunale Anbieter von Experten schulen zu lassen. Das Bürgerforum schlägt vor, Fachleute einzukaufen und kostenlose Schulungen für die Kaufleute anzubieten. Web-Shops könne man „heute auch schon für relativ wenig Geld einkaufen“.

Digitalisierung in Schulen vorantreiben

„Enormen Handlungsdruck sieht die SPD in den Schulen. Wenn schon 2016 erste Anträge der SPD gestellt wurden, dann fragen wir uns, was in den letzten zwei oder besser vier Jahren passiert ist? Zu wenig oder nichts?“, führt Schmidt aus und fordert: „Und wenn genug Geld im Digitalpakt Schule vorhanden ist, dann müssen eben Ressourcen geschaffen werden, um dieses Geld für unsere Schulen und Kinder so schnell wie möglich verfügbar zu machen“.

Den Standpunkt der SPD gegen eine Nutzung privater Endgeräte in der Schule aus Gründen der „Chancengleichheit für Schüler aus unterprivilegierten Familien“ beurteilt Kai Schmidt als „völlig überholt“. Nichts sei „uncooler“ und werde schlechter gepflegt als ein Gerät der Schule. „Wir alle erinnern uns an den Pflicht-Taschenrechner. Wenn ein Gerät aber in Privatbesitz ist und auch außerschulisch einen Mehrwert bietet, dann wird es auch wertgeschätzt. Und zudem würde eine solche Entscheidung in vielen Haushalten zu Doppelanschaffungen führen“, ist Schmidt sicher. Haushalte, die eine solche Anschaffung selber tätigen können und wollen entlasten Schmidt zufolge diejenigen Haushalte, die zwingend auf Unterstützung angewiesen sind. „Das Konzept ,Bring your own device‘ also die Integration eigener privater Endgeräte hat sich schon flächendeckend bewährt“, erklärt Schmidt. Ohnehin stehe heute nicht mehr das Gerät, sondern die Plattform oder die Software im Vordergrund. Viel wichtiger sei in diesem Zusammenhang, einen zumindest kreisweiten Standard zu definieren, um sicherzustellen, dass angeschaffte Geräte bei einem Schulwechsel weiterverwendet werden können.

Erfahrungswerte nutzen

„Und ganz wichtig: Diesen Standard sollte man zusammen mit den Fachleuten, beispielsweise den Schulleitern besprechen. Es ist nämlich davon auszugehen, dass es schon viele Erfahrungen aus dem Alltag der Schulen gibt“, sagt Schmidt, der die primäre Aufgabe des Schulträgers darin sieht, stabile Server- und WLAN-Lösungen in den Schulen vorzuhalten und diese mit einem Support zu hinterlegen.

„Unabhängig von dieser Kritik und unseren formulierten Verbesserungsvorschlägen wünscht sich das Bürgerforum Nordhorn natürlich auch, dass die anderen Probleme wie fehlende Kita-Plätze, fehlende Baugrundstücke, langsames Internet und der Klimaschutz entscheidend vorangetrieben werden – übrigens auch schon gerne vor der Wahl“, betont Schmidt abschließend.

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