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08.04.2020, 14:35 Uhr

Buch zum Thema Kriegervereinswesen erschienen

„Über Mannsbilder und Kameraden“ heißt ein Buch, das sich mit dem emsländischen Kriegervereinswesen beschäftigt. Es gibt aber auch Bezüge zum Kriegervereinswesen in der Grafschaft Bentheim. Autor ist der Meppener Historiker Heinz Kleene.

Das Kriegerdenkmal in Bad Bentheim zeigt den Anspruch auf Herrschaft und Kraft. Foto. Heinz Kleene

Das Kriegerdenkmal in Bad Bentheim zeigt den Anspruch auf Herrschaft und Kraft. Foto. Heinz Kleene

Haselünne Nachdem die Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte erst im Herbst mit „De Tid blif Baas“ von Karl Sauvagerd den Band 3 ihrer Reihe „Studien und Quellen zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim“ herausgegeben hat, folgt nun bereits der nächste Band. Der Historiker Heinz Kleene aus Meppen widmet sich dem Kriegervereinswesen – heutzutage weitgehend vergessen, doch bis in die NS-Zeit allgegenwärtig. In fast jedem Dorf existierte ein Kriegerverein, in den Städten sogar mehrere. Kleene beschäftigt sich mit der Rolle der Kriegervereine in der Zeit vom verlorenen Ersten Weltkrieg bis zum Beginn der NS-Diktatur. Für die Weimarer Republik weist er allein für das Emsland über 70 Kriegervereine nach. Im Bentheimer Land waren die Kriegervereine sogar besonders mitgliederstark.

In vielen Ortschaften waren sie Vorläufer der Schützenvereine, in anderen bestanden Krieger- und Schützenvereine nebeneinander. Seinerzeit prägten die Kriegervereine das gesellschaftliche Leben in vielen Gemeinden und vor allem die Freizeitgestaltung der Männer. Daher geht der Autor der Frage nach, welches Männerbild in diesen reinen Männervereinen vor und nach dem Ersten Weltkrieg gepflegt wurde, beschäftigt sich mit der Spaltung in einen regierungsnahen und einen zentrumsnahen Verband im Kaiserreich, die erst in der Weimarer Zeit überwunden wurde, sowie mit den Festen und Feiern der Militärvereine. Ausführlich geht er auf ein wichtiges Betätigungsfeld der Kriegervereine ein, den Bau von Kriegerdenkmälern, und zeigt auf, wie hier pazifistische, christlich-katholische und nationalistisch-militaristische Vorstellungen und Männerbilder aufeinanderprallen und sich in der Gestaltung der Denkmäler widerspiegeln. Zum Schluss untersucht Heinz Kleene, ob – wie in einigen anderen Regionen – die regionalen Kriegervereine als „Steigbügelhalter des Nationalsozialismus“ anzusehen sind.

Da die Kriegervereine des südlichen Emslands mit der Grafschaft Bentheim zum Kreiskriegerverband „Bentheim-Lingen“ zusammengeschlossen waren, wirft der Autor auch immer wieder einen Blick in das Bentheimer Land mit seinen vom Emsland abweichenden konfessionellen und politischen Gegebenheiten. So vergleicht er etwa Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Kriegerdenkmalbau in den beiden Regionen. Als besonders bemerkenswert stellt er dabei das Kriegerdenkmal des emsländischen Bildhauers Bernhard Heller (Hellerbernd) in Rhede heraus, der einen gefallenen Soldaten zeigt, dem ein Unterbein fehlt und bei dem eine Ratte am Daumen nagt. Dieser pazifistisch-realistischen Darstellung (die den Nazis ein Dorn im Auge war, so dass sie später den Arm mit der Ratte aus dem Denkmal herausschlugen) stellte er etwa das Bad Bentheimer Kriegerdenkmal gegenüber, das einen stolzen Löwen als Symbol für Kraft und den Anspruch auf Herrschaft zeigt.

Das Buch von 128 Seiten kostet 11,90 Euro. Die geplante Buchvorstellung muss wegen der aktuellen Lage ausfallen, doch kann das Werk bei Buchhandlungen online oder per Telefon bestellt werden, ebenso direkt über kontakt@emslandgeschichte.de (zuzüglich 1,55 Euro Versandkosten). Unter dieser Adresse ist auch ein verbilligtes Abonnement der Reihe möglich.

Heinz Kleene, Über Mannsbilder und Kameraden – Zum Kriegervereinswesen im Emsland zur Zeit der Weimarer Republik (Studien und Quellen zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim, 4), Haselünne 2020, 128 S., 38 Illustrationen, davon 8 farbig, ISBN 978-3-9818393-9-5, 11,90 Euro (zzgl. 1,55 Euro Versandkosten).

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