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18.08.2019, 14:00 Uhr

„Bessere Unterstützung am Lebensende“

Bei der Bürgerhilfe Emlichheim informierte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder über die Situation und die Herausforderungen bei der stationären Pflege.

„Bessere Unterstützung am Lebensende“

Heinrich Strenge, Johannes Sykman, Dr. Daniela De Ridder,Holger Rohlfs, Gudrun Bowers und Silke Kampert (von links) besprachen die Situation der Palliativversorgung in der Grafschaft. Foto: privat

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder besuchte die Bürgerhilfe Emlichheim. Gemeinsam mit Johannes Spykmann, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Emlichheim und Kreistagsmitglied Heinrich Strenge ließ sie sich von Geschäftsführer Holger Rohlfs über die Arbeit und aktuellen Herausforderungen im Bereich der stationären Hospizpflege informieren. De Ridder betont, dass eine qualitativ hochwertige Palliativversorgung in der Grafschaft Bentheim unbedingt notwendig ist.

Menschen mit schweren Erkrankungen, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich sei, bedürfen einer palliativen Versorgung. In den vergangenen Jahren sind deutliche Fortschritte beim Auf- und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung erzielt worden. So gibt es bundesweit rund 230 stationäre Hospize für Erwachsene, in denen pro Jahr circa. 30.000 Menschen versorgt werden. Jedoch fehlt es insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen an Kapazitäten. Seit 2014 hält die Bürgerhilfe Emlichheim ein Angebot für die Versorgung von Bewohnern mit nicht mehr heilbaren Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium vor. Zum Konzept der Einrichtungen gehören neben großzügigen und wohnlichen Einzelzimmern, in denen bis zu drei Palliativpatienten betreut werden können, vor allem hochqualifizierte Pflegekräfte, die sich auch durch ihre menschliche Empathie auszeichnen.

Eine große Herausforderung für die Aufrechterhaltung der stationären Hospizpflege sei allerdings der akute Fachkräftemangel, beklagte Holger Rohlfs, Geschäftsführer der Bürgerhilfe Emlichheim im Gespräch mit der SPD-Bundestagsabgeordneten. Es sei notwendig, dass die Politik auf Kreis-, Landes- und Bundesebene hier gegensteuere und notwendige Rahmenbedingungen schaffe: „Was wir brauchen, ist eine gute Bezahlung in der Pflege, Anerkennung und Wertschätzung und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge in der Pflege.“ Deshalb empfinde er die wachsenden Dokumentationspflichten in der Pflege nicht nur als große Herausforderung, sondern als „Verwaltungswahnsinn“, der dazu führen werde, dass weitere Pflegekräfte ihren Beruf aufzugeben drohten: „Die Pflege ist etwas ganz besonderes, es ist die Überzeugung, mit der die Pflegekräfte ihre Tätigkeiten ausführen, was sie lieben. Die Leidenschaft, mit der sie sich für ‚unsere‘ Menschen einsetzen. Sie spüren, dass sie täglich für andere Menschen ein unverzichtbarer Halt im Leben sind“, zeigte sich Rohlfs überzeugt.

Die Beschwerden über ausgeprägte Dokumentationspflichten seien ihr bekannt, aber auch hier habe die Bundesregierung bereits in der vergangenen Legislaturperiode reagiert: So habe die Bundesregierung im Januar 2015 ein Projekt gestartet, um Pflegekräfte von Bürokratie zu entlasten. Durch die vereinfachte Pflegedokumentation müssen die Pflegekräfte so etwa in der Grundpflege keine Routinearbeiten mehr dokumentieren, sondern nur noch außerplanmäßige Ereignisse und Leistungen.

Vorschläge zu weiteren Qualitätskontrollen und Nachweispflichten von Qualitätsstandards sehe aber auch sie eher kritisch, versichert De Ridder, da jede zusätzliche Kontrolle den Druck im Arbeitsalltag erhöht – angesichts der Arbeitsverdichtung in der Pflege ist es unbedingt nötig, Regulierungen und Bürokratie auf das unbedingt Notwendige zu begrenzen: „Ein Beitrag zu guter Pflege ist es wohl eher, wenn die Pflegekräfte besser bezahlt werden und Anreize zur Qualitätsentwicklung oder Auszeichnungen für exzellente Pflege geschaffen werden. Da zahlreiche weibliche Pflegekräfte in Teilzeit arbeiten, gilt dies wohl auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Das gilt sowohl für stationäre wie auch für ambulante Pflege“, zeigt sich die SPD-Bundestagsabgeordnete überzeugt.