10.03.2021, 13:40 Uhr

Ausstellung von Paul Seawright in der Städtischen Galerie

Paul Seawright, aus der Serie „Beasts of Burden“, 2020, Farbfotografie. Foto: Courtesy Kerlin Gallery, Dublin

Paul Seawright, aus der Serie „Beasts of Burden“, 2020, Farbfotografie. Foto: Courtesy Kerlin Gallery, Dublin

Nordhorn Bis zum 2. Mai zeigt die Städtische Galerie Nordhorn die erste institutionelle Einzelausstellung des nordirischen Fotografen Paul Seawright in Deutschland.

Paul Seawright (*1965 in Belfast, wo er lebt und arbeitet) gehört zu den international renommiertesten Fotokünstlern Nordirlands. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er weltweit auf der Spur jener blinden Flecke, die von sozialen, politischen und kriegerischen Konflikten in Gesellschaften erzeugt werden. Seine streng dokumentarischen Fotoreihen, die in der Regel auf intensiven Recherchen aufbauen, zeichnen sich durch präzise, hochästhetische Kompositionen aus. Dennoch scheint in Seawrights Bildern auf irritierende Weise das Wesentliche unsichtbar zu bleiben.

In der Städtischen Galerie Nordhorn stellt er zwei formal sehr unterschiedliche Serien einander gegenüber, in denen sich zwei wichtige Aspekte einer selektiven medialen Wahrnehmung von Kriegsschauplätzen auf künstlerische Weise begegnen.

Die Serie „Things Left Unsaid“ (2014) zeigt die eigentlich verborgene interne Landschaft eines Nachrichtenstudios im US-Fernsehen, einen Ort, wo für eine große Zahl von Menschen Wirklichkeit konstruiert wird. Inspiriert von den Theorien über elektronische Kriegsführung und Massenkommunikation als Waffe, vor allem durch den französischen Philosophen Paul Virilio, zeigt Seawright in seinen Fotografien Fragmente von Räumen, in denen Informationen durch Auswahl in Nachrichten umgewandelt und verbreitet werden.

Mit seiner aktuellen Serie „Beasts of Burden“ (2020) wendet er sich einem in der öffentlichen Aufmerksamkeit wenig präsenten Aspekt in der Geschichte des Genozids in Ruanda zu, der 1994 für weltweites Entsetzen sorgte. Seitdem durchlebt das Land einen mühsamen und schmerzvollen Prozess der Versöhnung zwischen den Menschen der beiden ethnischen Gruppen, die bis heute teils in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander leben. Eines der Projekte, die im kleinsten nachbarschaftlichen Kontext arbeiten, besteht in der gemeinsamen Aufzucht einer Kuh durch zwei Menschen oder Familien jeweils aus der Gruppe der Opfer und der Täter. Paul Seawrights Porträts von Mensch und Tier lenken den Blick auf eine höchst archaische Form gemeinsamen Handelns, die in einem irritierenden Kontrast zu der hochtechnisierten Medienwelt und Kommunikation industrialisierter Gesellschaften zu stehen scheint.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch zu „Beasts of Burden“ im Verlag Strzelecki Books, Köln.

Die Öffnungszeiten sind weiterhin abhängig von der aktuellen Situation der Corona-Pandemie und werden auf der Internetseite der Städtischen Galerie Nordhorn bekanntgegeben: www.staedtische-galerie.nordhorn.de.

Paul Seawright, aus der Serie „Things left Unsaid“, 2014, Farbfotografie. Foto: Kerlin Gallery, Dublin

Paul Seawright, aus der Serie „Things left Unsaid“, 2014, Farbfotografie. Foto: Kerlin Gallery, Dublin

Paul Seawright, aus der Serie „Things left Unsaid“, 2014, Farbfotografie. Foto: Kerlin Gallery, Dublin

Paul Seawright, aus der Serie „Things left Unsaid“, 2014, Farbfotografie. Foto: Kerlin Gallery, Dublin

Paul Seawright, aus der Serie „Beasts of Burden“, 2020, Farbfotografie. Foto: Kerlin Gallery, Dublin

Paul Seawright, aus der Serie „Beasts of Burden“, 2020, Farbfotografie. Foto: Kerlin Gallery, Dublin

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