16.10.2019, 00:00 Uhr

Ausstellung über Victor van der Reis

Das Leben des von den Nazis verfolgten Wissenschaftlers Victor van der Reis wird im Alten Rathaus Neuenhaus in Form von Thementafeln dargestellt.

Teilnehmer bei der Scheckübergabe an den Förderverein Günter Frank Haus: Christa Pfeifer, Vorsitzende, Ricarda Reiners, stellvertretende Vorsitzende, und von Grafschafter Sparkassenstiftung: Lars Klukkert, Stiftungsrat. Foto: KSK

Teilnehmer bei der Scheckübergabe an den Förderverein Günter Frank Haus: Christa Pfeifer, Vorsitzende, Ricarda Reiners, stellvertretende Vorsitzende, und von Grafschafter Sparkassenstiftung: Lars Klukkert, Stiftungsrat. Foto: KSK

Christa Pfeifer, Vorsitzende des Fördervereins Günter Frank Haus, könnte wahrscheinlich ein ganzes Buch über Prof. Dr. Victor van der Reis schreiben. Sie hat viel Kraft und Zeit investiert, um über das Leben des bedeutenden Mediziners und Sohnes der Stadt Neuenhaus Wissenswertes in Erfahrung zu bringen.

Unter anderem war sie zu Recherchezwecken in Gdansk/Danzig, wo van der Reis ab 1928 Direktor der Inneren Abteilung des großen städtischen Krankenhauses war, ehe er 1935 von den Nationalsozialisten aus seinem Amt vertrieben wurde. Van der Reis, ältester Sohn der jüdischen Neuenhauser Sophie und Julius van der Reis und aufgewachsen in Neuenhaus, gelang dennoch als Arzt und Wissenschaftler eine eindrucksvolle Karriere. Sie war allerdings stark gekennzeichnet von der Verfolgung des NS-Regimes.

Vom 19. Oktober bis 10. November initiiert nun der Förderverein Günter Frank Haus aus Anlass des 650-jährigen Jubiläums der Stadt Neuenhaus über das Leben von van der Reis eine Ausstellung, die von der Grafschafter Sparkassenstiftung mit 2500 Euro unterstützt wird. „Der Förderverein Günter Frank Haus hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Neuenhauser sowie Grafschafter zu dokumentieren und die jahrhundertealte Geschichte der Juden im Kontext der Regionalgeschichte zu erschließen und darüber hinaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Ausstellung über Prof. Dr. Victor van der Reis ist er diesem Vorhaben einen weiteren Schritt näher gekommen“, verdeutlicht Lars Klukkert, Stiftungsratsmitglied der Grafschafter Sparkassenstiftung, bei der Spendenübergabe vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie van der Reis in Neuenhaus.

Eine enge und nachhaltige Zusammenarbeit strebt der Förderverein in diesem Zusammenhang auch mit den Neuenhauser Schulen an. „Die Ausstellung im Alten Rathaus kann von Schulklassen des Neuenhauser Schulzentrums fußläufig schnell erreicht werden und könnte in den Unterricht integriert werden“, erläutert die ehemalige Lehrerin Pfeifer. Sie fügt hinzu: „Wir sind im engen Austausch mit den Schulen.“

Zur Verfolgung van der Reis‘: Der Mediziner konnte sich seinen Verfolgern nur durch die Flucht über die polnische Grenze entziehen. 1939, in den ersten Tagen des deutschen Überfalls auf Polen, wurde er von der Gestapo verhaftet und in das im Aufbau befindliche KZ Stutthof eingeliefert. Dort musste er unter lebensbedrohlichen Umständen Zwangsarbeit leisten. Mit Hilfe von einflussreichen Unterstützern kam van der Reis kurzfristig frei und konnte 1940 – nachdem er sich, wohl zu ihrem Schutz, von seiner nichtjüdischen Frau und seinen Kindern getrennt hatte – nach São Paulo, Brasilien, emigrieren, wo er bis zu seinem Tod als angesehener Arzt und Wissenschaftler tätig war. Nach 1945 folgten seine Frau und seine beiden nun erwachsenen Söhne ihm nach, während seine Tochter in Deutschland blieb.

„Das unendliche Leiden und die Ermordung seiner nach Rheine verheirateten Schwester Friedel, seiner Neuenhauser Verwandten und so vieler anderer ihm Nahestehender blieben ihm immer gegenwärtig. Nach Deutschland wollte er niemals wieder zurückkehren“, weiß Pfeifer zu berichten. Sie fügt hinzu: „Anhand einer großen Anzahl von Fotos und Dokumenten, die uns seine Familie und die Nachkommen seines 1935 auf der Flucht vor der Gestapo nach Südafrika emigrierten Bruders Hans freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben und auf der Grundlage eigener vielfältiger Recherchen zeichnen wir den Lebensweg von Victor van der Reis und seiner Familie in einer umfangreichen Dokumentation nach.“

Zur Ausstellung: Anhand zahlreicher Fotos und Dokumente, viele davon freundlicherweise zur Verfügung gestellt von seiner Familie und den Nachkommen seines bereits 1935 auf der Flucht vor der Gestapo nach Südafrika emigrierten Bruders Hans, und auf der Grundlage eigener Recherchen unter anderem in Polen zeichnet der Förderverein Günter Frank-Haus den Lebensweg von Victor van der Reis und seiner Familie nach. Aufgeteilt ist die Ausstellung in elf Thementafeln.

Veranstaltungsort ist das Alte Rathaus Neuenhaus an der Hauptstraße. Geöffnet ist sie täglich von 15 bis 18 Uhr. Nähere Informationen unter Telefon 0160 916297.

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