Grafschafter Nachrichten
26.06.2019

Ausstellung über Architektinnen in Hamburg

Ausstellung über Architektinnen in Hamburg

Victoria zu Bentheim und Steinfurt mit ihrer Schwester Elisabeth (rechts) und ihrem Bruder Friedrich, gemalt von Tony van Alphen. Foto: Fürstliche Domänenkammer

Im Hamburger Museum der Arbeit wird an Victoria zu Bentheim und Steinfurt erinnert, die eine der ersten Architektinnen in Deutschland war.

Zur Zeit läuft im Hamburger Museum der Arbeit die Ausstellung „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf“. Sie zeigt den steinigen Weg von Frauen in einem von Männern dominierten Beruf. Eine der 22 deutschen Architektinnen, die in der Ausstellung vorgestellt wird, ist die 1887 geborene und 1961 gestorbene Victoria zu Bentheim und Steinfurt.

Das Interesse von Victoria zu Bad Bentheim und Steinfurt an der Architektur wurde früh durch zahlreiche Reisen unter anderem nach Schweden und in die Niederlande sowie durch Eindrücke von der Restaurierung der Burg Bentheim in den Jahren von 1883 bis 1914 geweckt.

Sie war eine der ersten Frauen, die den Beruf der Architektin ergriff. Hilfreich war dabei die Verwandtschaft mit Kaiser Wilhelm II., von dem sie ein Empfehlungsschreiben bekam. Das Studium begann 1913 und konnte kriegsbedingt erst 1919 mit einem Diplom an der Königlich Technischen Hochschule abgeschlossen werden.

An eine Anstellung in einem Architekturbüro war aber aufgrund der ökonomischen Krise nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg nicht zu denken. Gerade auch nicht als Frau. So kehrte sie in die Heimat zurück, wo sich Aufgaben fanden, die ihrer Ausbildung entsprachen. So wurde im Schloss Steinfurt das Fürstlich Bentheimsche Bauamt eingerichtet, dass sie leitete. Zum Aufgabenbereich gehörten Renovierungen und Neubauten. Viele ihrer Entwürfe betrafen das landwirtschaftliche Bauen. Größere Bauprojekte waren unter anderem der Gutshof Völklenswald bei Gaildorf im Norden Württembergs und der Adolfshof bei Burgsteinfurt.

Ein weiterer großer Schritt im Leben von Victoria war 1935 der Umzug nach Mittenwald in Oberbayern, wo sie fernab der Familie als Privatarchitektin arbeitete. Trotz Mitgliedschaft in der NSDAP setzte sie sich für die Opfer dieser menschenvernichtenden Herrschaft ein und beherbergte in ihrem Haus in Mittenwald vor der Verfolgung geflüchtete Juden. 1961 starb sie im Alter von 74 Jahren in Garmisch-Patenkirchen.

Die Ausstellung im Hamburger Museum der Arbeit ist bis 8. September zu folgenden Zeiten geöffnet: montags von 10 bis 21 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Nähere Informationen: Hamburger Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg, Telefon 040 4281330, Email info@museum-der-arbeit.de, Internet www.museum-der-arbeit-de.

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