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10.07.2020, 11:10 Uhr

Ausstellung „Die Tänzerin von Auschwitz“ in Esterwegen

Martin Koers und Sebastian Weitkamp von der Gedenkstätte Esterwegen, Paul Glaser, Landrat Marc-André Burgdorf und Dr. Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin Gedenkstätte Esterwegen (von links), besichtigen die Sonderausstellung, Foto: Gedenkstätte Esterwegen

Martin Koers und Sebastian Weitkamp von der Gedenkstätte Esterwegen, Paul Glaser, Landrat Marc-André Burgdorf und Dr. Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin Gedenkstätte Esterwegen (von links), besichtigen die Sonderausstellung, Foto: Gedenkstätte Esterwegen

Esterwegen Ein Schock durchfährt Paul Glaser während eines Besuchs in Auschwitz, als er in einer Vitrine einen Koffer aus den Niederlanden mit seinem Familiennamen entdeckt. Für ihn ist dies der Augenblick, sich mit den jüdischen Wurzeln seiner Familie auseinanderzusetzen und insbesondere die unglaubliche Überlebensgeschichte seiner Tante Roosje bekannt zu machen. Er schreibt ein Buch und beginnt, in Vorträgen die Geschichte zu erzählen.

Diese außergewöhnliche Lebensgeschichte wird in einer multimedialen, zweisprachigen (deutsch/niederländisch) Sonderausstellung „Die Tänzerin von Auschwitz – Die Geschichte einer unbeugsamen Frau“ dargestellt, die in der Gedenkstätte Esterwegen, Hinterm Busch 1, in Esterwegen in Kooperation mit der RoosjeGlaser Foundation vom 12. Juli bis zum 1. November 2020 zu sehen sein wird. Die Ausstellung erweitert die Inhalte des gleichnamigen Buches um eine Vielzahl an Bildern und Filmsequenzen der damals bekannten Tänzerin und Tanzlehrerin, etwa aus Wochenschauen und aus einer 1942 filmisch dokumentierten illegalen Tanzschule auf einem Dachboden. Landrat Marc-André Burgdorf konnte vor dem Start der Ausstellung Paul Glaser in der Gedenkstätte zu einem Gespräch begrüßen, in dem Glaser aus dem Leben seiner Tante und über die Entstehung des Buches berichtet.

Die temperamentvolle und emanzipierte Tanzlehrerin und Tänzerin aus den Niederlanden musste ihren Lebensmut gegen den nationalsozialistischen Terror verteidigen. Als die Deutschen 1940 die Niederlande besetzten, beginnen für die damals 25-jährige lebensfrohe Frau die schockierenden Erfahrungen mehrfachen Verrats durch niederländische Kollaborateure und ein Leidensweg durch sieben Konzentrationslager. Mit einem außerordentlichen Lebenswillen, dem Handeln aus dem Herzen heraus und mit großer Klugheit überlebte sie. Dazu erteilte sie den SS-Führern in Auschwitz Tanz- und Benimmunterricht und unterhielt sie mit Liedern, die sie vor Ort erdachte.

Paul Glasers Buch entstand aus Roosje Glasers Tagebüchern, Briefen und Fotos, Gesprächen und Recherchen in niederländischen Archiven. Es ist ein authentischer und emotionaler Lebensbericht. Aber die Geschichte erzählt auch vom Kampf zwischen Erinnern und Vergessen in einer Familie und von einem beharrlichen Bemühen des Autors, seine Familiengeschichte zu verstehen. Sie zeigt, dass es einen scharfen Unterschied zwischen Gut und Böse im Krieg nicht gibt. Das Buch von Paul Glaser ist während der Dauer der Ausstellung in der Gedenkstätte Esterwegen erhältlich.

Paul Glaser wurde 1947 in Maastricht geboren. Er bekleidete Führungspositionen in Bildungs- und Krankeneinrichtungen, etwa als Geschäftsführer niederländischer psychiatrischer Krankenhäuser. Er beteiligte sich an der Gründung eines Museums, eines Regionaltheaters und einer Montessori-Schule. „Die Tänzerin von Auschwitz“ ist sein erstes Buch für ein breites Publikum.

Der Eintritt ist kostenlos. Die Sonderausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Gedenkstätte Esterwegen, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, zu sehen.

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