14.01.2021, 10:38 Uhr

Ausbildung: Grafschaft von Corona-Knick besonders betroffen

18,8 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge verzeichnete die IHK Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim für die Grafschaft im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Foto: dpa

18,8 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge verzeichnete die IHK Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim für die Grafschaft im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Foto: dpa

Osnabrück/Grafschaft Im Jahr 2020 hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim 3890 neue Ausbildungsverträge registriert. Die entspricht einem Rückgang von 12,1 Prozent beziehungsweise 534 Verträgen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Niedersachsen insgesamt gingen die Neueintragungen der sieben IHKs ebenfalls um 12,1 Prozent zurück.

„Der Rückgang bei den Neuverträgen im Ausbildungsjahr 2020 war deutlich, aber auch absehbar. Aufgrund des fehlenden Abiturjahrgangs in Niedersachsen und des Strukturwandels in einzelnen Industriebranchen waren wir bereits in unserer Planung von rund zehn Prozent weniger neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ausgegangen. Corona hat die Situation aber noch einmal verschärft“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf die Bilanz zum Ausbildungsjahr 2020.

Die Ausbildungsplatznachfrage der jungen Leute konnte im Jahresverlauf nicht mit dem deutlich höheren Ausbildungsplatzangebot der Unternehmen Schritt halten. Insgesamt fehlte es in der Region an geeigneten Bewerbern. Weil auch Betriebspraktika und Ausbildungsmessen weitgehend ausgefallen sind, vermutet Graf, dass die Jugendlichen zu wenige Informationen über das vielfältige Angebot an Ausbildungsplätzen in der Region hatten. „Statt eine Ausbildung anzutreten sind womöglich viele in der Schule verblieben oder haben ein Studium aufgenommen“, vermutet Graf.

Grafschaft Bentheim besonders betroffen

Im vergangenen Jahr haben alle Teilregionen des IHK-Bezirks gegenüber dem Vorjahr ein Minus bei den Ausbildungsverträgen verzeichnet. Im Landkreis Osnabrück mussten die Betriebe prozentual den geringsten Rückgang (minus 9,9 Prozent) hinnehmen. Es folgten der Landkreis Emsland (minus 11,5 Prozent) und die Stadt Osnabrück (minus 11,6 Prozent). Den größten Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnete der Landkreis Grafschaft Bentheim (minus 18,8 Prozent). Insgesamt war der Rückgang bei den kaufmännischen Berufen (minus 13,9 Prozent) größer als bei den industriellen Berufen (minus 8,9 Prozent).

Insbesondere die Rückgänge im Handel (minus 10,1 Prozent), im Gastgewerbe (minus 24,6 Prozent) und bei den sonstigen kaufmännischen Berufen (minus 15,1 Prozent), zu denen vor allem Berufe aus dem Dienstleistungssektor gehören, lassen darauf schließen, dass hier die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders stark waren. Bei den industriellen Berufen war vor allem der Rückgang in der Metalltechnik (minus 12,2 Prozent) erheblich.

Digitales Speeddating

„Der Blick muss jetzt nach vorne gehen. Der Fachkräftemangel wird uns auch nach der Überwindung der Corona-Pandemie erhalten bleiben. Die regionalen Unternehmen wissen, dass ihre Investitionen in die berufliche Ausbildung heute das beste Rezept gegen den Fachkräftemangel von morgen sind“, so Graf. Damit künftige Auszubildende und Betriebe zusammenfinden, will die IHK gemeinsam mit der Handwerkskammer Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim, den Arbeitsagenturen in Nordhorn und Osnabrück, den regionalen Jobcentern sowie dem Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück am Mittwoch, 24. März, ein digitales Speeddating anbieten. Weitere Informationen gibt es auf www.osnabrueck.ihk24.de.

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