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15.01.2019, 16:26 Uhr

Aufführung von Camouflage im Theater Pumpenhaus in Münster

Veranstaltung bietet Mischung aus Akrobatik und Theater.

Aufführung von Camouflage im Theater Pumpenhaus in Münster

Artistisches Können ist gefragt. Foto: Ralph Emmerich.

Gibt es Ideen, für die es sich zu sterben lohnt – oder zu töten? Diese herausfordernde Frage steht im Zentrum von Sabeth Dannenbergs Inszenierung Camouflage, die vom 18. bis 19. Januar jeweils ab 20 Uhr und am Sonntag, 20. Januar, ab 17 Uhr (um 16 Uhr gibt es ein performatives Intro zu Kaffee und Kuchen mit Sabeth + friends) im Theater Pumpenhaus in Münster gezeigt wird. Die Akrobatin und Physical-Theatre-Spezialistin umkreist darin weibliche Radikalität und ihre gesellschaftliche Bewertung. Nach gefeierter Premiere im vergangenen Frühjahr ist die Arbeit jetzt wieder für kurze Zeit zu sehen!

„Ich glaube an die Liebe, an die Gerechtigkeit, an das Leben“, bekennt die Protagonistin anfangs. Ein sicher konsensfähiges Credo. Allerdings führt die Inszenierung schon bald in kontroversere Gefilde. Kampfhandlungen werden exerziert, die Choreographie gerät zur Widerstandsbewegung, der Körper wirft sich in die Schlacht. Gibt es Ideen, für die es sich zu sterben lohnt – oder zu töten? Das ist die große Frage in Camouflage.

Die Performerin Sabeth Dannenberg – die in Münster und Portugal lebt und Physical Theatre an der Folkwang Schule in Essen studiert hat – schafft in ihren Arbeiten einen ganz eigenen Genremix aus Neuem Zirkus, Performance und politischer Dringlichkeit. Am Chinesischen Mast, einer vier Meter hohen, zu körperlichen Höchstleistungen herausfordernden Stange, schafft sie faszinierende Solo-Inszenierungen – Grenzgänge zwischen Verausgabung und poetischer Reflexion.

Im Pumpenhaus war von Dannenberg schon Die Schwalben fressen Mehl zu sehen. Die Geschichte einer alten Dame, die während des Plätzchen-Backens unversehens in ihre Jugend zurückfällt – die Zeit der Salazar-Diktatur in Portugal, auf die auch ihr Rezept für „Caladinhos“ verweist: ein Gebäck, das im Widerstand eine Rolle spielte.

Mit ihrer jüngsten Arbeit verfolgt die Künstlerin nun einige der zentralen Motive weiter. Es geht um weibliche Radikalität und ihre gesellschaftliche Bewertung. Um die Frage, ob Gewalt ein legitimes Mittel der Wehrhaftigkeit sein kann. Und was es braucht, um eine Revolution in Gang zu setzen. „Dannenberg ist mit ‚Camouflage‘ eine beeindruckende Inszenierung gelungen. Nicht nur, weil sie Tanz und Akrobatik mit einem politischen Thema verbindet, sondern auch, weil sie die Gewaltfrage abstrahiert, indem sie sie auf eine sinnlich-politische Ebene hebt“ (WN).