09.07.2019, 12:13 Uhr

Auffangstation im Tierpark pflegt Wanderfalken

Auch Wanderfalken müssen das Fliegen und Jagen erst lernen. Diese Erfahrung hat ein junger Terzel - so nennt man die männlichen Greifvögel - leidvoll in der letzten Woche machen müssen.

Der Wanderfalke wurde in einer Box wieder nach Schepsdorf transportiert. Foto: Heike Weber

Der Wanderfalke wurde in einer Box wieder nach Schepsdorf transportiert. Foto: Heike Weber

Er war vermutlich während der Jagd . in einem Tornetz auf dem Sportplatz Schepsdorf hängen geblieben. Zum Glück hatte ein Bürger ihn dort gesehen und bei der Naturschutzbehörde Lingen um Hilfe angefragt. Sven Oltrop vom Fachdienst Umwelt war schnell vor Ort und befreite mithilfe einer herbeigeeilten Nachbarin den Falken aus seiner misslichen Lage. „Ich dachte erst, ich könne den Vogel gleich wieder fliegen lassen“, so Oltrop. „Aber dann sah ich, dass der Fuß, mit dem er sich im Netz verheddert hatte, ganz schlaff herunterhing.“ Der Vogel wurde daher zur Untersuchung zur Auffangstation des Tierpark Nordhorn gebracht.

Die tiermedizinische Untersuchung ergab, dass eine starke Schwellung mit teilweiser Lähmung der Gliedmaße vorlag. Das Netz hatte wohl das Gewebe samt der Blutgefäße und Nerven stark gequetscht. Eine sofort eingeleitete Behandlung sowie die Fütterung und Pflege des Vogels durch die Tierpfleger brachten zum Glück schnellen Erfolg. Schon am nächsten Tag war der Fuß deutlich abgeschwollen und der Falke konnte damit wieder zugreifen. So wurde er in die Flugvoliere der Auffangstation überführt. Denn Fliegen, Landen, Greifen – all diese Bewegungen sind in einer solchen Situation ganz besonders wichtig.

Es war eine Art Physiotherapie, die der junge Falke dort durchlief. Zudem stärken und trainieren diese Bewegungsabläufe die Muskulatur des jungen Vogels. Nach insgesamt drei Tagen „Kranken- und Reha-Aufenthalt“ in Nordhorn konnte der Wanderfalke wieder in seinem Heimatrevier am Fernmeldeturm von Schepsdorf ausgewildert werden. Der Falkner Rudolf Schockmann, sein Falknerkollege Ludger Fels sowie der Telekom-Techniker Jürgen Schierenberg waren freundlicherweise vor Ort, um zusammen mit der Zootierärztin Dr. Heike Weber den Wanderfalken oben auf den Fernmeldeturm zu bringen. Hoch in der Luft kreiste bereits eines der Elterntiere und rief. Sobald der Jungvogel die grüne Transportbox verlassen hatte, hob er ab und flog gezielt auf die obere Plattform des Turms, von der er rufend dem Elterntier antwortete. Die Wanderfalkenfamilie ist somit wieder komplett. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten Jagdversuche des jungen Falken ohne Kollisionen mit Tornetzenverlaufen.

Der Tierpark Nordhorn betreibt seit 1988 eine vom Land Niedersachsen unterstützte und anerkannte Auffangstation. Hier werden nach vorheriger telefonischer Beratung und Anmeldung hilfebedürftige Wildtiere der geschützten Arten, die nicht dem Jagdrecht unterliegen und gefundene oder beschlagnahmte Exoten aufgenommen. Die Tiere werden tiermedizinisch untersucht, behandelt und fachkundlich gepflegt. Ziel ist bei Wildtieren die Wiederauswilderung, bei Exoten die Rückgabe an den rechtmäßigen Besitzer oder die Weitergabe an andere zugelassene Einrichtungen.

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