02.12.2020, 16:19 Uhr

Arbeitskreis Wolf kritisiert Landkreis wegen Missachtung

Europäischer Grauwolf sorgt für Auseinandersetzungen. Foto: Konjer

Europäischer Grauwolf sorgt für Auseinandersetzungen. Foto: Konjer

Nordhorn Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises hat jüngst verschiedene Personen zu einer Online-Konferenz zum Thema Wolf eingeladen. Zur Verwunderung des Arbeitskreises Wolf Grafschaft Bentheim, der die Stimmen und Ängste der Landbevölkerung, Weidetierhalter und Geschädigten zum Thema Wolf vertritt, wurde dieser in der Veranstaltung nicht integriert. Klaus Metzner, Sprecher des Arbeitskreises, kritisiert: „Für mich stellt sich die Frage, warum für die Akteure der Veranstaltung die Belange der von der Wolfsansiedlung betroffenen Menschen nicht mit einbezogen wurden? Es wurde eine reine Tonveranstaltung durchgeführt, Fragen konnten lediglich per Chat gestellt werden, wobei die Zeit sehr begrenzt war und kein wirklicher Austausch zustande kam. Das fanden wir vom Arbeitskreis sehr schade.“

Bisher wurde der Arbeitskreis Wolf Grafschaft Bentheim zu verschiedenen Diskussionen, Gesprächen und Video-Konferenzen eingeladen, unter anderem mit dem Landtagsabgeordneten Reinhold Hilbers, MdL Martin Bäumer, MdL Hermann Grupe, von der Jungen Union, den Wolfsberatern und auch mit Vertretern des Tierparks Nordhorn. All diese Gespräche fanden nach Darstellung des Arbeitskreises „in einer offenen, sachlichen und praxisbezogenen Atmosphäre statt. Allgemeiner Tenor war, dass ein professionelles Wolfsmanagement unerlässlich ist. Alles auf den Herdenschutz abzustellen, so wie es Vertreter des Wolfsbüros aus Hannover darstellen, ist zu einseitig. Der Arbeitskreis Wolf sagt deutlich, dass man sich die Region im Einzelnen genau ansehen muss.“ Maike Kamphorst, Sprecherin des Arbeitskreises, erklärt, dass in den bisherigen Diskussionen immer deutlich geworden sei, dass Herdenschutz mit immer weiter aufgerüsteten Zäunen und mit teilweise nicht ungefährlichen Herdenschutzhunden, so wie es in der Lausitz oder der Lüneburger Heide praktiziert wird, in unserer kleinteiligen Grafschaft Bentheim (zirka 200 Schafhaltungen) in der Praxis kaum umsetzbar sei und letztlich mit Blick auf die hier bestehende Kulturlandschaft (zum Beispiel Vechtetal und Tillenberge) und die Biodiversität auch nicht wünschenswert sei.

Nicole Wanning vom Arbeitskreis Wolf Grafschaft Bentheim hofft, „dass die Haltung des Wolfsbüros nicht bedeuten soll, dass man schon jetzt die Verantwortung für zukünftige Risse von Weidetieren den Haltern anlasten will und zukünftige potenzielle Opfer zu Tätern gemacht werden.“

Der Arbeitskreis Wolf warnt davor, den Wolf zu verharmlosen. „Die Aussage des Wolfsbüros, der Wolf fürchte sich vor Huftritten und somit gehe für Pferde keine Gefahr vom Wolf aus, weisen wir deutlich zurück. In anderen Regionen gab es bereits Übergriffe auf Pferde und Risse von Ponys und Pferden. Aktuell sei es zwar ruhig rund um Engden, aber ich kann in meinem Forst feststellen, dass die Wildpopulation deutlich zurückgeht. Wir gehen davon aus, dass sich das Wolfsrudel aktuell an den Wildtieren bedient. Sollte die Anzahl der Wölfe aber steigen, kann man nicht ausschließen, dass sie in Zukunft auch Weidetiere als Beute wählen“, sagt Forstwirt Volker Theißing.“

„Wenn wir die Akzeptanz der Wolfsansiedlung in Deutschland in der breiten Masse der Bevölkerung nicht auf Dauer verlieren wollen, muss ein professionelles Wolfsmanagement her“,fordert Maike Kamphorst und ergänzt: „Dazu gehört die Feststellung des günstigen Erhaltungszustandes der Wolfspopulation, das heißt, wie viele Individuen können in den einzelnen Regionen leben, sodass das Miteinander von Mensch und Wolf funktioniert und die Population Wolf nicht ausstirbt. Das kann aber auch dazu führen, dass die Anzahl an Wölfen entnommen wird, die die festgelegte Obergrenze überschreiten. Der Wolf ist zwar über EU-Recht streng geschützt, aber in Frankreich und Schweden, wo gleiches EU-Recht für den Schutz der Wölfe gilt, wurden bereits Obergrenzen, zum Beispiel in Frankreich 500 Wölfe, festgesetzt.“ Klaus Metzner attestiert der Landesregierung Niedersachsen, zwar konstruktiv an einem sachgerechten Wolfsmanagement mitzuarbeiten, aber ebenso müsse dies auch durchgreifend auf Bundesebene geschehen, „die Entscheidung darüber, welche Lösungen für bestehende oder entstehende Probleme durch den Wolf gefunden werden, obliegt in unserer Demokratie der Politik beziehungsweise den Parlamenten.“

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