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14.10.2020, 15:06 Uhr

„Arbeitskreis Wolf Grafschaft Bentheim“ formiert sich

Die Rückkehr der Wölfe sorgt in der Region vermehrt für Diskussionen. Archivfoto: Konjer

Die Rückkehr der Wölfe sorgt in der Region vermehrt für Diskussionen. Archivfoto: Konjer

Grafschaft Kürzlich haben sich Vertreter verschiedener von der Wolfsansiedlung in der Grafschaft Bentheim betroffener Personengruppen getroffen und den „Arbeitskreis Wolf Grafschaft Bentheim“ gegründet. Vertreten sind unter anderem Weidetierhalter wie Pferdezuchtvereine der Grafschaft Bentheim, Ponyhofbesitzer und Schäfer, Vertreter der Jägergemeinschaften Hestrup und Engden und der Dorfgemeinschaft Engden. Sprecher des Arbeitskreises sind Klaus Metzner aus Isterberg, Maike Kamphorst aus Nordhorn-Hestrup und Nicole Wanning aus Schüttorf.

„Wir verstehen uns als einen parteiunabhängigen, sachbezogenen Personenkreis, der Antworten auf die vielen Fragen, Probleme und Ängste der besonders betroffenen Landbevölkerung sucht. Die Vertreter der Personengruppen sind gehalten, sich jeweils in ihren Untergliederungen abzustimmen und sich kontinuierlich auszutauschen. Wir werden uns regelmäßig zum Erfahrungs- und Informationsaustausch treffen und mit den verschiedenen Institutionen in Kontakt treten“, erklärt Klaus Metzner und Maike Kamphorst ergänzt: „In kürzester Zeit haben sich im Bereich Engden, Hesepe und Hestrup bereits sehr kritische Verhältnisse entwickelt. Unabhängig von den bereits verifizierten Wolfsrissen kommt es insbesondere rund um Engden nahezu täglich zu Wolfssichtungen und auch zu Annäherungen der Wölfe an den Menschen bis auf wenige Meter. Wir sind aktuell dabei, die verschiedenen Ereignisse zusammenzutragen, damit der Politik und der Gesellschaft bewusst wird, welch kritische Situation hier vor Ort bereits entstanden ist.“

Weidetierhalter im Fokus

Nicole Wanning weist auf die besondere Situation der Weidetierhalter hin: „Im direkten Umfeld des Wolfsrudels befinden sich zahlreiche Weiden, Koppeln, und landwirtschaftliche Höfe. Als Weidetierhalter müssen wir unsere Tiere artgerecht, also nicht bloß in Ställen, sondern möglichst auf den Weideflächen mit viel Auslauf halten. Bei Pferden reicht allerdings bereits die bloße Beunruhigung der Herde durch Wölfe, dass diese in Panik durch Zäune brechen, sich verletzen und den Straßenverkehr gefährden. Unsere Tiere liegen uns am Herzen. Wir haben diese oft wie Familienmitglieder auf die Welt geholt.“

Kamphorst sieht die Weidetierhalter in „allerhöchste Alarmbereitschaft versetzt, weil wir wissen, dass sich die Wölfe jährlich im Schnitt um 30 Prozent vermehren werden“. Den Befürwortern der Wolfsansiedlung, die Wert auf eine Erhaltung der Akzeptanz des Wolfes legen, sagt sie: „Wer mit Vorwürfen den Dialog beginnt, die Weidetierhalter hätten ihre Tiere nicht genügend geschützt, der zerschlägt gleich zu Anfang jegliches Porzellan. Herdenschutzhunde und flächendeckend wolfssichere Zäune in der kleinteiligen Grafschaft Bentheim sind bei näherer Betrachtung alles andere als realistisch. Als Gesellschaft müssen wir uns fragen, ob wir wirklich die Einzäunung zum Beispiel des gesamten Vechtetals wollen, und wir müssen uns bewusst sein, was dies auch für andere Tierarten bedeuten würde. Rehe und andere Wildtiere würden ihre Laufwege verlieren und sich in Zäunen verfangen. Die empfohlenen 90 Zentimeter Grundschutzzäune sind innerhalb kürzester Zeit von Wölfen bereits überwunden worden, sodass nur eine immer weitergehende Aufrüstung einen gewissen Schutz bieten würde.“ Darüber hinaus sei es fraglich, wie lange noch der Naherholungsbereich Hesepe beziehungsweise Tillenberge als sicher für Spaziergänger mit und ohne Hunde gelten kann. „Unser Arbeitskreis spricht sich nicht grundsätzlich gegen den Wolf aus. Aber eine Koexistenz wird es aus unserer Sicht nur geben können, wenn der Wolf seine natürlich Scheu vor dem Menschen wiedererlangt“, so Metzner abschließend.

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