17.06.2021, 13:30 Uhr

Alte Molkerei: Machbarkeitsstudie startet mit Ideenwerkstatt

Zum gemeinsamen Austausch laden ein (unten, von links): Gerhard Reinink, Geert Ramaker, Johann-Heinrich Hölmann, Albert Weersmann, Klaus Ludden sowie (oben, von links) Daniela Kösters, Georg Hans, Ansgar Duling und Jan Lindschulte. Foto: Lindschulte

Zum gemeinsamen Austausch laden ein (unten, von links): Gerhard Reinink, Geert Ramaker, Johann-Heinrich Hölmann, Albert Weersmann, Klaus Ludden sowie (oben, von links) Daniela Kösters, Georg Hans, Ansgar Duling und Jan Lindschulte. Foto: Lindschulte

Emlichheim Die Gemeinde Emlichheim und die Kooperative Milchverwertung Emlichheim–Laarwald–Wielen–Wilsum haben vor Kurzem den Startschuss für die Machbarkeitsstudie gegeben, die die Umnutzung der Alten Molkerei zum Inhalt hat. „Am Anfang steht immer die Idee“, hatte Gemeindedirektorin Daniela Kösters im Februar gesagt. „Nun können aus Ideen Konzepte erwachsen“, teilt sie nun mit. Darüber freuen sich auch Gerhard Reinink als Vorstandsvorsitzender und Albert Weersmann als Geschäftsführer der Genossenschaft.

„Markanter Ort“ mit Potenzial

„Die Alte Molkerei war immer ein markanter Ort in Emlichheim. Wir sind sehr froh, dass das Gebäude nun wieder große Aufmerksamkeit erfährt und es eine Perspektive für eine neue Nutzung gibt“, erklärt Gerhard Reinink, der selbst in Emlichheim einen großen Milchviehbetrieb bewirtschaftet. Die Machbarkeitsstudie soll zunächst Aufschluss darüber geben, was am Standort Alte Molkerei entwickelt werden kann. Gemeinsam beauftragten Gemeinde und Kooperative Milchverwertung das Lingener Unternehmen „pro-t-in“ und das Architekturbüro Jan Lindschulte aus Nordhorn mit der Studie. Klaus Ludden von „pro-t-in“ und Architekt Jan Lindschulte wollen nun mit einer „Ideenwerkstatt“ den ersten Baustein für das Projekt setzen. Alle interessierten Bürger sind eingeladen, am Montag, 19. Juli, um 19 Uhr an der Alten Molkerei, Schleestege 1 in Emlichheim, gemeinsam Ideen zu sammeln und mögliche Potenziale zu diskutieren. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich, die Hanna Abeln per E-Mail an abeln@emlichheim.de oder unter Telefon 05943 809133 entgegennimmt.

Vielfältige Vorschläge für Umnutzung

Verschiedene Ideen wurden bereits geäußert. So können sich die Vertreter der Genossenschaft vorstellen, die Alte Molkerei zu einer Art Marktplatz für regionale landwirtschaftliche Erzeugnisse zu machen. „Ein interessantes Projekt für die bisher vereinzelt agierenden Direktvermarkter und die wachsende Zahl an Verbrauchern, die regionale Produkte oder Biolebensmittel bevorzugen“, findet Geschäftsführer Albert Weersmann. „Die großzügigen Räume und der Keller mit Lagerräumen bieten viele Möglichkeiten für den Verkauf, aber auch als sogenannter ,Co-Working Space‘ für Produktion und Veredelung. Warum in einer ehemaligen Molkerei nicht wieder Käse herstellen oder leckeres Eis zum Direktverkauf?“, fragt Vorstandsvorsitzender Gerhard Reinink. Auch für örtliche Züchter von Galloways, Angusrindern oder Bunten Bentheimern könnte es seiner Ansicht nach interessant sein, sich in gebündelten Vertriebsstrukturen, auch für den wachsenden Onlinemarkt, zu organisieren. Nach den Vorstellungen von Gemeindedirektorin Daniela Kösters könnte das Angebot auch durch die Einrichtung einer kleinen Brauerei abgerundet werden. „Ergänzt um Gastronomie könnte dort ein attraktiver touristischer Anziehungspunkt mit Alleinstellungsmerkmal nicht nur für Gäste aus Emlichheim entstehen“, so Kösters. Die Lage in der Nähe der Vechte biete Chancen für den Radtourismus oder als weitere Anlegestelle für das Ausflugsboot „Vechtezomp“, die als gastronomisches Anlaufziel bisher nur die Privatbrauerei „Mommeriete“ im niederländischen Gramsbergen anbieten kann. „Wir hoffen, dass sich in der ,Ideenwerkstatt‘ auch Vorschläge für nachhaltige Betreiberkonzepte ergeben und sich vielleicht sogar schon konkrete Interessenten finden lassen“, ergänzt der stellvertretende Bürgermeister Georg Hans, denn die Gemeinde selbst werde sich in einem gastronomischen Gebiet nicht betätigen dürfen.

Standort mit Geschichte

Das markante alte Gebäude müsse für eine neue Nutzung renoviert, umgebaut und instand gesetzt werden, dazu seien entsprechende finanzielle Mittel notwendig. Aber mit seiner klaren Struktur, der soliden Bauweise und dem imposanten Innenraum biete das Gebäude sowohl atmosphärisch als auch von der Konstruktion her großes Potenzial für eine Umnutzung, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde Emlichheim. Die lang gestreckte Halle mit einer mittigen Stützenreihe wird beidseitig durch raumhohe regelmäßige Fensteröffnungen belichtet. „Die gekachelten Oberflächen und die Nutzungsspuren erzählen von der Geschichte des Standortes und erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre, welche in eine attraktive Nachnutzung überführt werden kann“, erklärt Architekt Jan Lindschulte.

Studie vom Land gefördert

Die Machbarkeitsstudie wird vom Land Niedersachsen nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung – kurz „ZILE-Richtlinie“ – über das Amt für regionale Landesentwicklung gefördert. Dessen Leiterin Sylvia Backers hatte sich zuvor selbst ein Bild vom Standort der Alten Molkerei gemacht und sieht „viel Potenzial für einen ,Leuchtturm‘ im ländlichen Raum“. Die Gemeinde Emlichheim und die Kooperative Milchverwertung bringen die Kofinanzierung auf. Die Studie soll bis Oktober abgeschlossen sein. „Am Ende stehen hoffentlich tragfähige Konzeptideen, um konkrete Projektförderungen oder Beteiligungen für Investitionen zu generieren“, teilt Daniela Kösters abschließend mit.

Ems-Vechte