14.07.2019, 10:00 Uhr

Agrarfrühstück der Grafschafter Volksbank

Zum Agrarfrühstück lud der Bereich Euregio Agrar der Grafschafter Volksbank bereits das achte Mal ein. Zahlreiche Vertreter der landwirtschaftlichen Einrichtungen nahmen an der Veranstaltung im Kompetenzzentrum Wirtschaft im NINO Hochbau teil.

Die Redner des achten Agrarfrühstücks (von links): Jan Schots (Grafschafter Volksbank), Gert Lödden und Christiane Roelofs (Landkreis Grafschaft Bentheim), Jobst Jungehülsing (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) und Jürgen Timmermann (Vorstand Grafschafter Volksbank). Foto: privat

Die Redner des achten Agrarfrühstücks (von links): Jan Schots (Grafschafter Volksbank), Gert Lödden und Christiane Roelofs (Landkreis Grafschaft Bentheim), Jobst Jungehülsing (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) und Jürgen Timmermann (Vorstand Grafschafter Volksbank). Foto: privat

Jürgen Timmermann, Vorstand der Grafschafter Volksbank, begrüßte die Gäste. Bereichsleiter Jan Schots führte durch das kurzweilige Programm, das mit einem ausgiebigen Frühstück begann. Im Mittelpunkt des Agrarfrühstücks stand das Thema „Der Bodenmarkt – wer kann sich Fläche noch leisten?“. Dabei ging es unter anderem um die Möglichkeiten, Verkäufe und Käufe besser zu regulieren beziehungsweise die Anwendung des Pacht- und Grundstücksverkehrsgesetzes zu optimieren.

Jan Schots erläuterte zum Thema Boden und dessen extremem Preisanstieg: „Für unsere Landwirte ist der Boden existenzieller Bestandteil der Produktion, aber bald kaum mehr zu bezahlen. Zum einen verlieren wir jedes Jahr erhebliche Flächen durch Infrastruktur und Wohnungsbau sowie den Naturschutz, zum anderen hat die Niedrigzinspolitik dazu geführt, dass viele Nichtlandwirte (Versicherungen und so weiter) die Agrarimmobilie als neues „Asset“ erkannt haben und damit die Preise mit in die Höhe treiben. Seit der Finanzkrise können wir eine Verdopplung der Preise feststellen.“

Der Grafschafter Volksbank war es gelungen, mit Jobst Jungehülsing einen ausgewiesenen Experten zum Agrarfrühstück nach Nordhorn zu holen. Jungehülsing, Leiter des Referats „Bodenmarkt“ beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, referierte anschaulich über die verschiedenen Themenaspekte, von „Flächenverlusten“ und „Konkurrenz durch Investoren“ über die „Auswirkungen auf die Betriebe und die ländlichen Räume“ bis hin zu den „Möglichkeiten der Agrarpolitik“. Er empfahl den Einsatz ganz konkreter Instrumente zur Verbesserung der Situation für die Landwirtschaft. Jungehülsing beendete seinen Vortrag mit einem Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir müssen aufpassen, dass … die Landwirte eine faire Chance auf ihren Boden behalten.“

Für den Landkreis Grafschaft Bentheim gab Gert Lödden anschließend einen fundierten Überblick über die „Arbeits- und Sichtweisen des Grundstücksverkehrsausschusses der Grafschaft Bentheim“ im Hinblick auf den Bodenmarkt. Zu den ausdrücklichen Zielen des Grundstücksverkehrsausschusses gehört laut Lödden die Förderung der Agrarstruktur, dabei sei das Festhalten am „Kleinbauern“ allerdings nicht möglich. Bestehende landwirtschaftliche Betriebe müssten lebensfähig sein.

Auch aktuell seien steigende Preise auf dem Grundstücksmarkt zu erkennen, die aber nicht von Investoren, sondern in der Regel von Landwirten gezahlt würden. „Der Kaufpreis für landwirtschaftliche Fläche ist bekanntermaßen höher als der Bodenrichtwert, sieben bis acht Euro sind keine Seltenheit, auch zehn Euro werden pro Quadratmeter bezahlt, von Landwirten“, so Lödden. Anregungen des Grundstücksverkehrsausschusses zur Verbesserung des Grundstücksverkehrs seien unter anderem die Abschaffung der doppelten Grunderwerbsteuer bei Vorkaufsrecht.

Die Regelungen zur Landpacht in der aktuellen Form wurde in der anschließenden Diskussion kontrovers erörtert. Die Landpacht ist das Hauptinstrument der Landwirte zur Betriebsvergrößerung. Aussagekräftige Zahlen über die durchschnittliche Höhe der Landpacht in der Grafschaft gibt es aber nicht, obwohl laut Pachtgesetz eigentlich alle Pachtverträge durch den Verpächter dem Grundstücksverkehrsausschuss angezeigt werden müssten. Bei den anwesenden Repräsentanten der Landwirtschaftlichen Institutionen fanden die kenntnisreichen Ausführungen der beiden Referenten sehr positive Resonanz.

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