Grafschafter Nachrichten
07.06.2021

Ab 1. Juli entfällt Steuerfreigrenze bei Online-Bestellungen

Ab 1. Juli entfällt Steuerfreigrenze bei Online-Bestellungen

Für den grenzüberschreitenden Onlinehandel gelten ab 1. Juli neue Bestimmungen: Die bisherige Steuerfreigrenze auf Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern entfällt, die bestellten Waren werden damit umsatzsteuerpflichtig. Symbolfoto: dpa

Grafschaft/Osnabrück Zur Jahresmitte treten im Rahmen des sogenannten Mehrwertsteuer-Digitalpakets umfangreiche Änderungen für den grenzüberschreitenden Onlinehandel in Kraft. Ab 1. Juli sind daher alle Sendungen aus Ländern außerhalb der EU umsatzsteuerpflichtig. Die derzeitige Regelung, bei der Kleinsendungen bis zu einem Wert von 22 Euro steuerfrei importiert werden können, wird damit entfallen, lediglich Einfuhrabgaben von weniger als 1 Euro werden nicht erhoben. Darüber hinaus müssen künftig alle kommerziellen Post- und Kuriersendungen aus Nicht-EU-Staaten in elektronischer Form beim Zoll angemeldet werden. Dies geht aus einer Mitteilung des Hauptzollamtes Osnabrück hervor.

Wettbewerbsnachteile beseitigen, Steuerbetrug verhindern

Durch die Abschaffung der Wertgrenze sollen Wettbewerbsnachteile für heimische Unternehmen beseitigt werden. „Während inländische Händler unabhängig vom Wert der verkauften Waren die Mehrwertsteuer in Rechnung stellen müssen, können Unternehmen von außerhalb der EU bislang von der Freigrenze profitieren und so Versandprodukte kostengünstiger in der EU vertreiben“, erläutert Christian Heyer, Pressesprecher des Hauptzollamtes Osnabrück, die Hintergründe der Neuregelung. Gleichzeitig solle mit dieser Rechtsänderung dem Umsatzsteuerbetrug im Onlinehandel strukturell entgegengewirkt werden. „Denn Sendungen werden oftmals vorsätzlich unterfakturiert und so die Wertgrenze missbräuchlich ausgenutzt“, beklagt Heyer.

Für Besteller kein Zusatzaufwand

Die neuen Bestimmungen bedeuten für die meisten Online-Besteller keinen zusätzlichen Aufwand, macht der Zoll deutlich. Wie auch bisher üblich, übernimmt in der Regel der beauftragte Beförderer (Post-, Kurier- und Expressdienstleister) die Zollabwicklung und tritt für die fälligen Einfuhrabgaben in Vorleistung. Die Sendungsempfänger zahlen die verauslagten Einfuhrabgaben dann bei der Auslieferung an den Zusteller zurück.

Online-Besteller sollten beachten, dass die Beförderungsunternehmen grundsätzlich eine gesonderte Servicepauschale für die Anmeldung beim Zoll und Zahlung der Einfuhrabgaben erheben. „Informationen hierzu sollten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Beförderers oder Verkäufers enthalten sein. Die Servicepauschale ist keine Einfuhrabgabe des Zolls“, teilt der Zoll mit.

Freibetragsgrenze gilt weiterhin

Zugleich besteht ab 1. Juli bei Sendungen bis zu einem Wert von 150 Euro die Möglichkeit, dass der Online-Händler die Umsatzsteuer unmittelbar an die zuständigen Steuerbehörden in der EU zahlt. Bedingung hierfür ist, dass sich der Händler im Mehrwertsteuersystem der EU registriert hat und für die Steuerabwicklung den sogenannten „Import One Stop Shop“ (IOSS) nutzt. In diesen Fällen sind die Einfuhrabgaben in der Regel, wie die Umsatzsteuer beim Inlandskauf, bereits im Rechnungsendbetrag des Online-Händlers enthalten. An den Post- oder Kurierdienstleister muss der Sendungsempfänger dann keine Einfuhrabgaben bei der Zustellung bezahlen.

Das Hauptzollamt Osnabrück weist darauf hin, dass die Wertgrenze für die Erhebung von warenabhängigen Zollabgaben auf Online-Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern von den Neuerungen zum 1. Juli nicht betroffen ist. Hier gelte weiterhin der Freibetrag von 150 Euro.

Informationen zur Neuregelung online

Ausführliche Informationen zu den Rechtsänderungen sind auf www.zoll.de sowie über den dort zur Verfügung gestellten Dialogassistenten, den sogenannten Chatbot „TinA“, abrufbar. Darüber hinaus beantwortet die Zentrale Auskunft der Zollverwaltung unter Telefon 0351 44834-510 oder per E-Mail an info.privat@zoll.de allgemeine Anfragen zum Thema eCommerce.

Auf der Website des Zolls gibt es zudem detaillierte Informationen für Online-Händler, Beförderungsunternehmen und andere Wirtschaftsbeteiligte zu den anstehenden Änderungen und künftigen Modalitäten für die Erklärung und Zahlung der Umsatzsteuer.

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